Ein Feuer zwischen den Olivenbäumen von Corni di Fiasco

Corni di Fiasco · Umgebung · Feste und Traditionen

Feste und Traditionen in Apulien, Monat für Monat

In Novoli bauen sie im Januar wochenlang an einem Berg aus Rebholz und verbrennen ihn an einem einzigen Abend. In Monopoli wartet man im Dezember im Morgengrauen auf eine Madonna, die auf einem Floß übers Meer kommt. In Gallipoli fährt die Heilige im Juli mit dem Boot um die Stadtmauern, die Fischkutter hinterher. Hier in der Gegend gibt es jeden Monat jemanden, der ein Feuer anzündet, einen Heiligen in der Prozession trägt oder etwas frittiert.

Das ist der Kalender der Feste und Traditionen in Apulien (italienisch Puglia), von Januar bis Dezember, in den Orten, die man von Corni di Fiasco aus in höchstens anderthalb Autostunden erreicht, dazu ein paar Ausnahmen, für die sich die Fahrt lohnt. Die Daten ändern sich jedes Jahr: Schauen Sie vor der Abfahrt ins Programm.

Warum es diese Riten gibt, wer sie mitgebracht hat und was vorher da war, erzählen wir in den Geschichten aus Maruggio, im Kapitel über das Heidnische, und auf der Seite „Apulien im Plural“, im Kapitel über Heilige, Feuer und ältere Götter. Hier geht es um das Wann.

Januar

Apulien im Januar: die Fòcara von Novoli und die Feuer für Antonius den Großen und San Ciro

Die Befana, die gute Hexe des Dreikönigstags, hat hier keine eigenen Bräuche, die der Rede wert wären: Am 6. Januar sind die Feiertage vorbei, und das war’s. Das Schöne beginnt fünf Tage später, und es beginnt mit Feuer.

Am Abend des 11. Januar zündet man in Castellana Grotte, eine Stunde zwanzig vom Haus, die Fanòve an: Dutzende Holzstöße im Zentrum, am Stadtrand und draußen auf dem Land; der erste brennt gegen sieben Uhr vor der Wallfahrtskirche der Madonna della Vetrana. Am Tag darauf zieht die Madonna in der Prozession durch die Stadt und erhält die Stadtschlüssel. Die Überlieferung erzählt, dass während der Pest von 1690 zwei Priester dieselbe Eingebung hatten, die Kranken mit dem Öl aus der Lampe der Madonna zu heilen, und dass die Feuer an die Habseligkeiten der Kranken erinnern, die man verbrannte, um die Ansteckung aufzuhalten. Vor den Feuern zieht noch die „Diana“ durch den Ort, ein Umzug mit Blaskapelle, der von Ölmühle zu Ölmühle geht und das Öl einsammelt.

In Novoli, knapp eine Stunde entfernt, wird am Abend des 16. Januar, am Vorabend des Festes von Antonius dem Großen, die Fòcara entzündet. Sie ist ein Scheiterhaufen aus Rebholz, den Ruten vom Rebschnitt, rund zwanzig Meter hoch, in manchen Jahren mehr: Die Maße ändern sich von Jahr zu Jahr. Gebaut wird sie von den pignunai. Am Morgen wird bei der bardatura das Bild des Heiligen auf die Spitze gehievt; am Nachmittag segnet man die Tiere, und die Prozession zieht vorbei; am Abend klettert das Feuerwerk den Scheiterhaufen hinauf und setzt ihn in Brand. Es heißt, es sei das größte Feuer am Mittelmeer. Gemessen hat es nie jemand, aber wenn man unten davorsteht, hat man keine Lust zu widersprechen.

Antonius der Große lässt am 17. auch anderswo Feuer anzünden. In Gallipoli, eine Stunde entfernt, eröffnen die focareddhe, Feuer aus Oliven- und Rebholz, den Karneval. „Per Sant’Antuono maschere e suono“, zu Sankt Anton Masken und Musik, sagt das Sprichwort, und tatsächlich beginnen in Putignano von diesem Tag an die Karnevalsdonnerstage.

Dann ist Grottaglie an der Reihe, die Stadt der Keramik, fünfundzwanzig Minuten entfernt. San Ciro wird als Arzt und ägyptischer Märtyrer verehrt, und hierher brachte ihn aus Neapel ein Jesuit aus dem Ort, San Francesco de Geronimo. Am Abend des 30. Januar, dem Vorabend seines Festes, wird die Fòcra entzündet: eine riesige Hütte aus Bündeln von Olivenzweigen und Rebholz, ohne ein einziges altes Möbelstück, und innen mit einer Kammer, die man betreten kann, bevor sie brennt. Für das Feuer von 2026 hatte der Bau Mitte Oktober begonnen; ein paar Tage vor dem Fest ziehen Pferde mit den Reisigbündeln durch den Ort. 2026 standen rund dreißigtausend Menschen um das Feuer; die Kinder haben eine eigene focaredda. Auch das ist, wenn man den Leuten aus Grottaglie zuhört, das größte Feuer Europas. In Novoli sagen sie das auch.

Die Region Apulien hat 2018 eigens ein Gesetz für die Feuerriten erlassen. Hier in der Gegend fand das niemand seltsam.

Wer im Winter ein paar Wochen bleibt, findet den Rest auf der Seite Überwintern in Apulien.

Februar

Apulien im Februar: der Karneval von Putignano, die Quaremma und Lichtmess

Der Februar beginnt mit einem Bären. Am 2., an Mariä Lichtmess, führen in Putignano zwei riesige Bären aus Pappmaché einen Umzug an, und der Bär sagt, ob der Winter vorbei ist.

Drei Tage später ist Sant’Agata, die Heilige der Kathedrale von Gallipoli. Man erzählt sich, dass 1126, als ihre Reliquien von Konstantinopel nach Catania unterwegs waren, an der Küste von Gallipoli eine zurückblieb: eine Brust. Heute liegt diese Reliquie in Galatina, und zwischen den beiden Städten ist die Sache noch immer nicht geklärt.

Der 20. Februar ist ein seltsames Datum. An diesem Tag im Jahr 1743 erschütterte ein Erdbeben den Salento, und Nardò traf es am schwersten. Heute danken am selben Tag drei Städte dem Heiligen oder der Madonna, denen sie ihre Rettung zuschreiben. Nardò, fünfzig Minuten entfernt, dankt San Gregorio Armeno, seinem Schutzpatron: Sein Fest fiel auf den 30. September und wurde eigens auf den Tag des Erdbebens verlegt. Am 20. schlägt die Glocke des Turms an der Piazza Salandra hundertmal für die Opfer; die Büste des Heiligen wird mit dem Armreliquiar in der Prozession getragen, je nach Jahr am Vorabend oder am Tag selbst. Der Legende nach drehte sich die Statue des Heiligen während des Bebens zum Epizentrum, die Hand erhoben. Die Reliquie des Unterarms wurde 1975 gestohlen, und 1981 schenkte der Kardinal von Neapel eine andere. Am selben Tag, für dasselbe Erdbeben, dankt Oria dem heiligen Barsanofio und Massafra der Madonna della Scala.

Dann kommt der Karneval, der mit Ostern wandert und am Fastnachtsdienstag endet, zwischen Februar und Anfang März. Der berühmteste ist der von Putignano, eine Stunde zwanzig entfernt, der im Februar schon seit dem Stephanstag läuft (wie er beginnt, erzählen wir im Dezember). Ab dem 17. Januar nimmt er jeden Donnerstag eine andere Gruppe aufs Korn: Monsignori, Priester, Nonnen, Witwer, Verrückte, verheiratete Frauen und, ganz zum Schluss, die gehörnten Ehemänner. Am Fastnachtsdienstag schlägt die „Campana dei maccheroni“, die Makkaroniglocke, 365-mal und beendet das Ganze. In Putignano sagen sie, es sei der älteste Karneval Europas: Sie haben eine Erzählung von 1394, Venedig hat Urkunden aus dem 13. Jahrhundert. Die Wagen stammen aus dem 20. Jahrhundert, und Eindruck machen sie trotzdem.

In Gallipoli stirbt der Karneval an Völlerei. Am Fastnachtsdienstag führt der Ort seinen Tod auf, und es heißt, Titoru, ein Soldat, der genau an diesem Tag nach Hause kam, habe sich mit Würsten und Fleischbällchen vollgestopft, um alles Versäumte nachzuholen, sei daran gestorben, und bei der Beerdigung hätten ihn die chiangimorti beweint, die Klageweiber. Anderswo wird weniger gestorben. In Massafra ziehen seit den Fünfzigerjahren die Wagen aus Pappmaché durch die Straßen, mit den Masken Gibergallo und Lu Pagghiùsë; in Francavilla Fontana, fünfundzwanzig Minuten entfernt, schenken sich Männer und Frauen an den beiden Donnerstagen vor dem Fastnachtsdienstag mandorle ricce, eine Art gebrannte Mandeln.

Am Aschermittwoch taucht auf den Balkonen des Salento eine alte Frau in Schwarz auf. Es ist die Quaremma, oder Caremma: eine Puppe aus Stroh und Lumpen, aufgehängt an Balkonen, an Terrassen, an einer Leine zwischen zwei Häusern. In der einen Hand hält sie die Spindel mit der Wolle; in der anderen eine Bitterorange, in der sieben Hühnerfedern stecken, so viele, wie es Wochen bis Ostern sind. Jede Woche zieht man eine heraus: Sie ist ein Kalender. Wer sie ist, erzählt jeder auf seine Weise: die Witwe des verstorbenen Karnevals, oder seine Mutter, wie in Gallipoli, wo die Caremma die Mutter von Titoru ist. Den Namen sollen französische Soldaten mitgebracht haben, von ihrem carême, der Fastenzeit: eine schöne Geschichte, nur ohne Urkunde. Man sieht sie in der Grecìa Salentina, in Martano, Martignano, Soleto, Sternatia, mehr als eine Stunde entfernt; in Gallipoli, in Tuglie, in Cerfignano, wo sie sich um sich selbst dreht. In Maruggio, soweit wir wissen, nicht. In der Fastenzeit isst man im Salento die quaresimali, Kekse aus gerösteten Mandeln.

März

Apulien im März: der Josefstag, das Feuer von San Marzano und die Josefstafeln

Der März ist der Monat des heiligen Josef, und San Giuseppe bedeutet hier zweierlei: ein Feuer und eine Tafel.

Vorher aber wird gepilgert. Von Sava, zwanzig Minuten entfernt, pilgert man zu Fuß zur Wallfahrtskirche der Madonna di Pasano, drei Kilometer außerhalb des Ortes, meist am ersten Sonntag im März: Nach dem Datum fragt man allerdings besser im Ort. Der Legende nach betete 1605 ein Sklave in Ketten, im Dienst eines Hauptmanns, zur Madonna, und ein herabstürzender Felsbrocken zerbrach ihm das Eisen am Knöchel. Aufgeschrieben wurde die Geschichte mehr als ein Jahrhundert später. Der Felsbrocken und das Eisen liegen jedenfalls noch in der Wallfahrtskirche.

Das Feuer brennt in San Marzano di San Giuseppe, keine halbe Stunde entfernt, dem Ort, in dem man noch Arbëresh spricht, das Albanische, das im 16. Jahrhundert hierherkam. Man erzählt, dass in der Nacht vom 18. auf den 19. März 1866 ein Sturm die Felder verwüstete, dass der Ort ihn als Strafe für die vernachlässigte Verehrung verstand und dass die Leute am Tag darauf die abgebrochenen Äste in den Ort trugen und vor dem Palast des Marchese ein großes Feuer anzündeten. In jenem Jahr wurde San Giuseppe Schutzpatron, und der Ort hängte seinen Namen an den eigenen an. Das Feuer soll bis heute zjarri i madh heißen, das große Feuer. Am 18. März zieht am Nachmittag die Holzprozession durch den Ort: Leute zu Fuß, Pferdewagen, Traktoren voller Olivenholz. Bei der Ankunft übergibt der Bürgermeister dem Heiligen die Stadtschlüssel, und gegen neun Uhr abends wird das Feuer in der Contrada Principe mit einem Feuerwerk entzündet. Am selben Tag stellen in einem Haus fünf Leute aus dem Ort die Heilige Familie dar, vor einer Tafel mit dreizehn Gerichten: Salat, Saubohnenpüree, lampascioni (die Zwiebeln der wilden Traubenhyazinthe), Suppe aus Bohnen und Kichererbsen, Blumenkohl, frittierter Baccalà, die massa (Nudeln) mit Knoblauch, Öl und Oliven, Stockfisch, gekochter Weizen, Brot, Orangen und Fenchel, zeppole und carteddate. Am 19. werden mittags auf dem Platz die mattre gesegnet, die Tafeln der Armen; am Nachmittag ist Prozession, am Abend Feuerwerk.

Gedeckt werden die Tafeln auch in Lizzano, eine Viertelstunde entfernt. Am Abend des 18. geht man von Haus zu Haus, um sie anzuschauen, im Licht der Öllampen, unter den großen Bildern des Heiligen; am 19. gibt es die „Tafel vom Tag danach“, mit Kostproben und einem Feuer. An Süßem gibt es die pizzetti ti cannella und die pasti ti mennula, Konfekt aus Marzipan.

Weiter unten im Salento, Richtung Otranto, mehr als eine Stunde entfernt, haben die Tafeln vom 18. und 19. März ihre Heiligen aus Fleisch und Blut. In Giurdignano, Uggiano la Chiesa, Minervino, Poggiardo lädt eine Familie ein paar Leute zum Mittagessen ein, die „die Heiligen“ spielen, immer in ungerader Zahl, drei bis dreizehn. Das Essen ist fleischlos, es stockt und geht weiter, wann immer der heilige Josef ein Zeichen gibt, und es endet mit einem Fenchel und einer Orange. Dazwischen die massa mit Kichererbsen, bedeckt mit frittierten Teigstreifen, und ein Votivbrot mit dem blühenden Stab im Relief.

Die Süßspeise des 19. März ist die zeppola: im Salento frittiert, aus Brandteig, mit Creme.

März oder April

Apulien im April: die Karwoche in Tarent und Ostern

In der Karwoche wird Apulien ernst. Sie richtet sich nach Ostern, dem Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Ostern ist frühestens am 22. März und spätestens am 25. April: meistens im April, aber etwa jedes dritte Jahr Ende März. 2027 zum Beispiel ist Ostern am 28. März und Gründonnerstag am 25.

In Tarent, eine halbe Stunde entfernt, ziehen am Gründonnerstag aus der Chiesa del Carmine die perdùne: Mitglieder der Bruderschaft, mit Kapuze und barfuß, die paarweise die Heiligen Gräber der Kirchen besuchen, mit einem ganz langsamen Schritt, der nazzecata, einem Wiegen, das nirgendwohin zu führen scheint. Um Mitternacht kommt die Addolorata aus der Kirche, die Schmerzensmutter. Am Freitag brechen die Misteri auf, die Statuen der Passion, und kehren erst am Samstagmorgen zurück. Davon erzählen wir in den Geschichten aus Maruggio, im Kapitel über das Heilige, und auf der Seite über Tarent und das MArTA.

In Francavilla Fontana, fünfundzwanzig Minuten entfernt, heißen die Kapuzenmänner pappamusci: Auch sie gehen barfuß und ziehen, so erzählt man, in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag von Kirche zu Kirche; am Freitag brechen die Misteri auf.

Der Quaremma sind inzwischen nur noch wenige Federn geblieben. Am Ende der Fastenzeit wird sie verbrannt, oft mit Böllern, am Karsamstag, wenn die Glocken läuten, oder am Ostersonntag: Jeder Ort hat seine Stunde. In Ruvo di Puglia heißt die Alte Quarantana und brennt am Ostersonntag, nach der Prozession des auferstandenen Christus.

Bei Tisch gibt es im Salento das Marzipanlamm der Benediktinerinnen von Lecce und die cuddhura, das Ostergebäck. In der Gegend von Bari, in Mola, isst man am Karfreitag den calzone, der dort nicht frittiert ist: Er ist eine Art Zwiebelkuchen, mit Sardellen und Oliven.

Ansonsten ist der April ein ruhiger Monat, der Monat der wilden Orchideen und der Wanderungen in den Dünen. Die Ausnahme liegt nah: In Avetrana, zwanzig Minuten entfernt, feiert man San Biagio nicht am 3. Februar wie überall, sondern Ende April (2026 vom 28. April bis zum 1. Mai), mit der Prozession, dem Blasiussegen für den Hals, den Blaskapellen, den Lichterbögen und dem Feuerwerk. Warum im April, haben wir nicht herausgefunden.

Mai

Apulien im Mai: San Nicola in Bari und San Cataldo auf dem Meer

Bari feiert im Mai keinen Heiligen, sondern eine Ankunft: Am 9. Mai 1087 kehrten rund sechzig Seeleute aus Bari von Myra in Kleinasien zurück, mit den Gebeinen des heiligen Nikolaus. Das Fest dauert drei Tage, vom 7. bis 9., und das Programm ändert sich von Jahr zu Jahr ein wenig: Meist zieht am Abend des 7. der historische Umzug durch die Stadt, am 8. fährt die Statue aufs Meer, am 9. wird aus dem Grab die „Manna“ gesammelt. Nach Angaben der Basilika ergab 1925 eine Analyse der Universität Bari: reinstes Wasser. Rund ein halber Liter im Jahr. Nikolaus war ein griechischer Bischof, den Katholiken und Orthodoxe gemeinsam verehren, und in der Krypta wird auch die orthodoxe Liturgie gefeiert. Bari liegt zwei Stunden entfernt: eine Ausnahme, aber sie lohnt sich.

In Tarent, eine halbe Stunde entfernt, fährt der Heilige aufs Meer hinaus. Es ist San Cataldo, der Schutzpatron, und sein Tag ist der 10. Mai. Ein paar Tage vorher wird die silberne Statue dem Bürgermeister übergeben, mit der Zeremonie des Privilegio; dann, um den 10. herum (der Tag hängt vom Programm ab), geht sie in der Altstadt an Bord eines Schiffs der Marine und fährt, die Boote der Fischer hinterher, durch den Schifffahrtskanal zwischen dem Mar Grande und dem Mar Piccolo. Auf dem Rückweg zieht die Prozession die Via Duomo hinauf. Als San Cataldo seinen Ring ins Meer warf, so heißt es, entstanden die citri, die Süßwasserquellen unter dem Meer.

Anfang Mai holt Massafra, fünfzig Minuten entfernt, die Madonna della Scala in die Stadt: Sie steigt aus ihrer Wallfahrtskirche in der Gravina, der Felsschlucht, herab und erhält die Stadtschlüssel. Zur Wallfahrtskirche steigt man über eine Treppe mit hundertfünfundzwanzig Stufen hinauf, oder hundertsiebenundzwanzig: Bergauf verzählt man sich. Man erzählt, die Ikone sei gefunden worden, weil jemand zwei Hirschkühen folgte, und die beiden Hirschkühe sind noch da, aus Marmor, links und rechts vom Altar.

Juni

Apulien im Juni: Antoniustag, Johannistag und Peter und Paul in Galatina

Der 13. Juni ist der Tag des heiligen Antonius von Padua. In Maruggio erzählt man, dass an diesem Tag im Jahr 1637 die Piraten in Campomarino landeten und den Ort plünderten, und dass der Ort dem Heiligen bis heute dankt, weil es nicht schlimmer kam. Wir erzählen davon in den Geschichten aus Maruggio, im Kapitel über die Türme gegen die Sarazenen. In Ceglie Messapica, fünfzig Minuten entfernt, ist Antonius der Schutzpatron, und sein Fest ist eine große Parade der Blaskapellen. Seit ein paar Jahren macht, wie es heißt, ein Café im Zentrum zu diesem Anlass eine eigene Eissorte: Sant’Antonio. Wonach sie schmeckt, bleibt ein Glaubensgeheimnis.

Der Johannistag, der 24., liegt kurz nach der Sommersonnenwende. In Maruggio war das früher die Nacht der Feuer; dann, 1928, verlegte ein Bischof das Fest in den Juli. Sava, zwanzig Minuten entfernt, feiert ihn allem Anschein nach noch am 24.

Ende Juni feiert Galatina, eine Stunde entfernt, die Heiligen Petrus und Paulus, vom 28. bis 30. Juni. Am Abend des 28. werden die beiden Heiligen in der Prozession hinausgetragen, und die Lichterbögen gehen an; in der Nacht, der „Notte de Santu Paulu“, bilden sich auf der Piazza San Pietro die ronde, die Kreise aus Musikern und Tänzern; am 29. wird vor der Kapelle des heiligen Paulus nachgestellt, was dort bis vor wenigen Jahrzehnten geschah. In diese Kapelle kamen aus dem ganzen Salento die tarantate, um den Heiligen um Gnade zu bitten: Frauen, die glaubten, die Tarantel habe sie gebissen. Ernesto de Martino kam 1959, um sie zu sehen, und sein Buch, La terra del rimorso (etwa: „Das Land der Gewissensbisse“), erschien zwei Jahre später. Es gibt Fotografien von tarantate in Galatina noch aus dem Jahr 1978. Das Feuerwerk geht in der Nacht vom 29. auf den 30. hoch.

Und man erzählt, genau während dieses Festes, 1745, habe ein Konditor aus Galatina den pasticciotto erfunden, das Mürbeteigtörtchen mit Creme. Die Konditorcreme soll allerdings erst Ende des 19. Jahrhunderts in den Salento gekommen sein. Der pasticciotto weiß das zum Glück nicht.

Juli

Apulien im Juli: die Bruna in Matera und Santa Cristina in Gallipoli

Am 2. Juli trägt Matera, eindreiviertel Stunden entfernt, die Madonna della Bruna durch die Stadt. Jedes Jahr baut ein Handwerker einen Wagen aus Pappmaché ganz neu; Maultiere ziehen ihn durch die Stadt, Reiter eskortieren ihn, er dreht drei Runden auf der Piazza del Duomo, die Statue kehrt in die Kathedrale zurück, und der Wagen wird von der Menge gestürmt und in wenigen Minuten in Stücke gerissen. Wer ein Stück mit nach Hause nimmt, behält es als Glücksbringer. 2023 haben ihn zum ersten Mal vier Frauen gebaut. Es heißt, das Fest werde seit 1389 gefeiert, als es ein Papst einführte, der vorher Erzbischof von Matera gewesen war; der Wagen kam allerdings erst Jahrhunderte später dazu. Warum man ihn zerreißt, dafür gibt es drei Legenden und keinen Beweis. Über Matera sprechen wir auch auf der Seite „Apulien im Plural“: Ist Matera in Apulien?

Anfang Juli hat Martina Franca, eine Stunde entfernt, sein Sommerfest, für San Martino und Santa Comasia. Mitte des Monats, am 13. und 14., ist Maruggio an der Reihe: San Giovanni Battista, Johannes der Täufer, der Schutzpatron, dessen Fest der Bischof 1928 aus dem Juni verlegt hatte. Der Heilige der Sonnwendfeuer wird bei uns im Hochsommer gefeiert.

Gallipoli, eine Stunde entfernt, feiert zwei Feste in zehn Tagen. Am 15. und 16. ist die Madonna del Carmine; vom 23. bis 25. ist Santa Cristina, die Schutzpatronin. Es beginnt im Morgengrauen mit Feuerwerk. Am Nachmittag verlässt die Statue im Boot den Hafen und fährt um die Stadtmauern, gefolgt von den Fischkuttern; am Abend kehrt sie an Land zurück, durch die Gassen. Auf dem Meer, am Seno del Canneto, gibt es die cuccagna a mare: den eingefetteten Kletterbaum, nur dass er übers Wasser ragt. Auf dem Jahrmarkt kauft man die scapece, frittierten Fisch, eingelegt in Paniermehl mit Essig und Safran. Oft heißt es, Santa Cristina habe Gallipoli vor der Pest gerettet. Es war die Cholera, 1867.

August

Apulien im August: Prozessionen auf dem Meer, Sant’Oronzo und die Notte della Taranta

Im August ist am meisten los, im Kalender wie auf den Straßen. Man muss auswählen. Zuerst das Meer.

Am 15. August brechen in Campomarino di Maruggio, eine Autominute vom Haus, zwei Prozessionen für Mariä Himmelfahrt und die Madonna dell’Altomare auf: eine im Boot vom Hafen aus, eine zu Fuß an der Küste entlang. Sie treffen sich auf der Düne der Madonnina, wo heute eine Kapelle steht und wo, so heißt es, ein griechischer Tempel der Artemis stand. In denselben Tagen feierten die Römer Diana mit Fackeln. Dass das eine mit dem anderen zusammenhängt, hat nie jemand bewiesen. Die Prozession geht trotzdem hin. Wir erzählen davon in den Geschichten aus Maruggio, bei den heidnischen Riten.

Es ist nicht die einzige Madonna, die übers Wasser kommt. In Monopoli, eine Stunde zwanzig entfernt, kommt die Madonna della Madia zweimal im Jahr vom Meer. Im Sommer, am 13. August, wird die Ikone auf den Thron gesetzt, und die Lichterbögen gehen an; am Abend des 14., gegen neun Uhr, legt das Floß an der Cala Batteria an, mit Feuerwerk und Tauchern; am 15. ist die Prozession, mit Feuerwerk auf der Mole. Das andere Mal ist im Dezember, im Morgengrauen.

Auch Porto Cesareo, vierzig Minuten entfernt, schickt seine Heilige aufs Meer: In der zweiten Augusthälfte, an vier Tagen, die jedes Jahr wechseln, geht Santa Cesarea am ersten Tag für die Prozession an Bord.

Und Ende August oder Anfang September, um den ersten Septembersonntag herum, fährt Brindisi, knapp eine Stunde entfernt, San Teodoro und San Lorenzo übers Meer. Wenn man den Leuten aus Brindisi glaubt, kamen die Reliquien des heiligen Theodor 1210 auf einem Boot an, auf dem kein Mensch war, und deshalb fahren die Statuen noch heute im Boot durch den Hafen.

Dann geht es zurück an Land, und der Ton ändert sich. In Otranto, anderthalb Stunden entfernt, gedenkt man am 14. August der Märtyrer. 1480 nahm die osmanische Flotte die Stadt ein, und am 14. August wurden auf dem Hügel der Minerva rund achthundert Männer enthauptet, weil sie ihrem Glauben nicht abschwören wollten. Papst Franziskus hat sie am 12. Mai 2013 heiliggesprochen: die erste Heiligsprechung seines Pontifikats, die Benedikt XVI. im selben Konsistorium bekanntgegeben hatte, in dem er seinen Rücktritt ankündigte. Ihre Gebeine liegen in der Kathedrale. Die Alten erzählen, der Körper des ersten, Antonio Primaldo, sei bis zur letzten Hinrichtung aufrecht stehen geblieben, und der Henker habe sich bekehrt. Am Abend des 13. ist die Nachtwache auf dem Hügel; am 14. die Prozession mit der Urne.

In Locorotondo, eine Stunde entfernt, ist vom 14. bis 17. das Fest des heiligen Rochus, der nicht der Schutzpatron ist (das ist der heilige Georg), sondern der Heilige, dem der Ort seit der Pest von 1690 dankbar ist. Am 16. erhält der Heilige die Stadtschlüssel; in der Nacht vom 16. auf den 17. treten mehrere Feuerwerksfirmen gegeneinander an, und man schaut vom „Lungomare“ aus zu, der „Strandpromenade“, einer Straße mit Blick über das Itria-Tal. Das Meer fehlt, die Aussicht nicht.

Lecce, eine Stunde entfernt, feiert Sant’Oronzo um den 26. August, den Tag des Heiligen, zusammen mit Giusto und Fortunato: Die Feierlichkeiten dauern ungefähr vom 24. bis 26., und der Tag der Prozession wechselt von Jahr zu Jahr. Das Patronat geht auf die Pest von 1656 zurück. Es gibt die Lichterbögen, die Blaskapellen, das Feuerwerk und das Öl, das für die Lampe gespendet wird, die das ganze Jahr vor dem Heiligen brennt. Auf dem Jahrmarkt gibt es die cupeta, den Mandelkrokant, und der ist nicht die Süßigkeit eines bestimmten Festes: Er ist die Süßigkeit aller Jahrmärkte. Am 26. ist derselbe Heilige auch in Ostuni unterwegs, eine Stunde entfernt, aber zu Pferd: die Cavalcata, rund vierzig Reiter in roter Uniform, die seine silberne Statue begleiten.

Oria, fünfundzwanzig Minuten entfernt, lässt in der ersten Augusthälfte, an Tagen, die jedes Jahr wechseln, den historischen Umzug Friedrichs II. wiederaufleben, dazu das Turnier der Stadtviertel Castello, Judea, Lama und San Basilio: den Wettstreit, den der Kaiser, so erzählt man, zur Feier austragen ließ. Am Ende des Monats, am 30., feiert Oria wieder auf den Straßen, für San Barsanofio, den Schutzpatron: zum zweiten Mal im Jahr, nach dem Erdbeben im Februar.

Und dann die Pizzica, die Musik und der Tanz des Salento. In der Grecìa Salentina zieht im Sommer die Notte della Taranta von Ort zu Ort, und im August endet sie mit dem großen Konzert in Melpignano, mehr als eine Stunde entfernt. Sie wirkt uralt; entstanden ist sie 1998, und die erste Auflage war eine einzige, fast improvisierte Nacht. Die Musik dagegen ist wirklich alt.

Das Ionische Meer vor Campomarino di Maruggio, wo am 15. August die Prozession im Boot ankommt.
Das Ionische Meer vor Campomarino di Maruggio, wo am 15. August die Prozession im Boot ankommt.

September

Apulien im September: San Gregorio in Manduria, Copertino und die Weinlese

Am 3. September trägt Manduria, zwanzig Minuten entfernt, seinen Schutzpatron durch die Straßen, San Gregorio Magno, Gregor den Großen. In den letzten Jahren stand die Statue schon ein paar Tage vorher in der Hauptkirche, der Chiesa Madre; am 3. wird sie mit der Blaskapelle hinausgetragen, unter den Lichterbögen, und spät am Abend geht das Feuerwerk los.

Francavilla Fontana, fünfundzwanzig Minuten entfernt, hat in den letzten Jahren um den 14. herum die Madonna della Fontana gefeiert und mit ihr, wie man dort sagt, den Geburtstag der Stadt. Man erzählt, am 14. September 1310 habe ein Fürst aus dem Haus Anjou auf der Jagd das Bild der Jungfrau gefunden, auf eine Mauer neben einem Brunnen gemalt, und daher kämen der Name der Stadt und die Steuerfreiheit: eine villa franca, ein freier Ort. Die Historiker sagen, die Urkunden seien gefälscht. Das Fest gibt es trotzdem.

In Copertino, fünfzig Minuten entfernt, feiert man vom 16. bis 18., mit Blaskapellen und Feuerwerk bis zum 19., den heiligen Josef von Copertino, den fliegenden Heiligen. In seinen Verzückungen, so sagt man, habe er sich vom Boden erhoben, und deshalb stand er vor der Inquisition – und wurde freigesprochen. Heute ist er der Heilige der Studenten vor den Prüfungen. Am 18. fliegen während der Prozession Flugzeuge der italienischen Luftwaffe darüber hinweg: Für einen fliegenden Heiligen kam nichts anderes in Frage.

In Alberobello, eine Stunde entfernt, gibt es am 27. eine Messe um vier Uhr morgens, für die Pilger, die zu Fuß aus den Nachbarorten kommen. Es ist das Fest der heiligen Ärzte Kosmas und Damian, genannt anargiri, „ohne Silber“, weil sie umsonst heilten: Es beginnt am 25. mit dem Jahrmarkt und endet am 28., dem Fest der Leute aus Alberobello.

Inzwischen ist Weinlese. Der Primitivo wird von Ende August bis in den September gelesen, und in den Weingütern des Primitivo di Manduria ist das die Zeit, in der man alles zu sehen bekommt.

Oktober

Apulien im Oktober: wenige Feste, die Olivenernte und der Scheiterhaufen von Grottaglie

Der Oktober ist der ärmste Monat im Festkalender: In den Orten ringsum haben wir kein einziges großes Patronatsfest gefunden. Es ist der Monat, in dem gearbeitet wird. Ende Oktober beginnt die Olivenernte, und die Ölmühlen laufen wieder an; auf den Feldern wächst wieder die wilde Zichorie, in den Gärten am Golf von Tarent reifen die ersten Orangen. Das Meer hat an sonnigen Tagen noch um die 21 Grad. Und in Grottaglie kann schon Mitte Oktober der Scheiterhaufen für San Ciro zu wachsen beginnen, der Ende Januar brennen wird: Für das Feuer von 2026 hatten die Arbeiten am 13. Oktober begonnen.

Den Rest von September und Oktober, das Meer eingeschlossen, finden Sie auf der Seite über Frühling und Herbst.

November

Apulien im November: San Martino, die Madonna del Verde und die Pettole

Der November beginnt mit den Toten. Am 2. macht man in Apulien noch die colva: gekochter Weizen, Granatapfelkerne, Walnüsse und vincotto, eingekochter Most. Es ist die Speise für die Toten, und der Name kommt von den kollyba, dem gekochten Weizen, mit dem die Byzantiner ihrer Verstorbenen gedachten.

Am Martinstag, dem 11., zapft man im Salento den neuen Wein an. „A San Martino ogni mosto diventa vino“, an Martini wird jeder Most zu Wein, und dazu gibt es Maronen, Fleisch vom Grill, Wurst, Schwein und Pferd, und in der Gegend von Lecce die ersten pittule des Jahres. In Martina Franca, eine Stunde entfernt, ist San Martino der Schutzpatron, und die Stadt trägt seinen Namen: Am 11. November ist Jahrmarkt. Auf den Portalen der Basilika wird dem Heiligen dafür gedankt, dass er die Stadt vor Pest, Erdbeben, Hungersnot, Viehseuchen und Raupen bewahrt hat.

Am 21. November feiert Maruggio die Madonna del Verde, das Fest, das dem Ort am meisten am Herzen liegt. Am Vorabend gibt es die ssittàta alla Matònna, das Sitzen bei der Madonna: Die Leute bleiben betend in der kleinen Kirche Santa Maria del Tempio sitzen. Dann zieht die Statue in der Prozession bis zur Hauptkirche, und wenn sie in die kleine Kirche zurückkehrt, gibt es Feuerwerk. Man erzählt, die Madonna habe die Kinder vom Favismus geheilt, der „grünen Krankheit“; andere sprechen von einer Seuche, wieder andere vom soundsovielten Überfall der Plünderer.

Die Hauptkirche von Maruggio, wo die Prozession der Madonna del Verde ankommt.
Die Hauptkirche von Maruggio, wo die Prozession der Madonna del Verde ankommt.

In Tarent, eine halbe Stunde entfernt, beginnt Weihnachten am 22. um drei Uhr nachts. Zu Santa Cecilia ziehen die Blaskapellen im Dunkeln los und spielen sich bis zum Morgen durch die Stadt; in der Kathedrale San Cataldo, noch im Halbdunkel, empfangen sie den Segen und spielen die Hirtenweisen. In den Häusern frittiert man die ersten pèttëlë und bietet sie den Musikern an. Der Legende nach sind die pettole so entstanden: Eine Hausfrau, abgelenkt von der Musik der Dudelsackspieler, ließ den Teig zu lange gehen, und um ihn nicht wegzuwerfen, frittierte sie ihn. Die Tarentiner sagen, ihr Weihnachten sei das längste Italiens.

Dasselbe frittierte Hefegebäck wechselt von Ort zu Ort Namen und Tag: pittule in Lecce, popizze in Bari, pèttëlë in Tarent; in Rutigliano, bei Bari, macht man sie am 25. November, zu Santa Caterina. Der Rest steht auf der Seite „Apulien im Plural“, im Kapitel über die apulische Küche.

Granatäpfel am Zweig: Die Kerne gehören in die Colva vom 2. November.
Granatäpfel am Zweig: Die Kerne gehören in die Colva vom 2. November.

Dezember

Apulien im Dezember: Weihnachten, die Krippen und die Madonna della Madia

Am 7. Dezember, dem Vorabend von Mariä Empfängnis, fastet man im Salento, aber mit Verstand: Mittags isst man nur die puccia, ein Weißbrot, heute fleischlos gefüllt, mit Thunfisch, Kapern und Sardellen. Vor den Bäckereien steht man Schlange. Am Abend, wenn das Fasten vorbei ist, frittiert man die pittule: „Te la Mmaculata, la prima pittulata“, an Mariä Empfängnis die ersten Pittule. Und wenn man in der Gegend von Lecce die ersten pittule schon am Martinstag frittiert hat, macht nichts: Jeder Ort zählt seine eigenen. Im Itria-Tal isst man an diesem Tag pettole und frittierten Baccalà; in Gravina, Richtung Matera, gibt es mittags statt eines richtigen Essens nur einen Tarallo mit Anis.

In Lecce, eine Stunde entfernt, öffnet im Dezember im Kreuzgang der Theatiner die Fiera dei pupi, der Markt der Krippenfiguren aus Pappmaché und Terrakotta. Die Daten ändern sich jedes Jahr (2025 vom 6. bis 28. Dezember). Es heißt, es gebe ihn seit dem 16. Jahrhundert: Das zu glauben ist leichter, als es zu beweisen. Früher hieß er Markt der heiligen Lucia, und Santa Lucia, am 13., war wirklich „der kürzeste Tag, den es gibt“, allerdings vor 1582, als der Kalender umgestellt wurde.

Krippen nimmt man hier ernst. In Grottaglie, fünfundzwanzig Minuten entfernt, gibt es von Dezember bis Januar in der Burg die Ausstellung der Keramikkrippen, die seit 1980 stattfindet; seit Dezember 2025 gibt es außerdem eine feste Sammlung im Palazzo De Felice, mehr als zweihundert Krippen. In San Marzano di San Giuseppe, keine halbe Stunde entfernt, liegt die lebende Krippe in der Gravina bei der Wallfahrtskirche Madonna delle Grazie, mit rund dreihundert Darstellern. In Tricase, Richtung Leuca, anderthalb Stunden entfernt, gibt es die von Monte Orco seit 1976.

In Monopoli, eine Stunde zwanzig entfernt, kommt die Madonna della Madia zum zweiten Mal an, im Morgengrauen des 16. Dezember. An der Cala Batteria hält man mit dem Bischof Nachtwache; bevor es hell wird, geht das Feuerwerk los, die Taucher lassen das Meer rot leuchten, und die Ikone wird empfangen und in die Kathedrale getragen. Der Überlieferung nach ist sie genau so angekommen, auf einem Floß, in der Nacht des 16. Dezember 1117, und aus den Balken des Floßes hat man das Dach der Kathedrale gezimmert.

An Heiligabend zündet man in Maruggio li fuechi di cristo piccinnu an, die Feuer des Jesuskinds: um den alten Ritus am Leben zu halten, sagt man, und um den eben geborenen Sohn Gottes zu wärmen. Das Abendessen an Heiligabend ist in Apulien fast überall ein Fischessen. Im Salento von früher, erzählen die Alten, mussten es neun oder dreizehn Gerichte sein: Vermicelli mit Baccalà, Aal, pucce mit Oliven, Granatapfel, pittule.

Dann das Gebäck, und das ist der eigentliche Grund, im Dezember zu kommen. Die cartellate, Teigstreifen, frittiert und zu einer Rose gerollt, mit Honig oder vincotto überzogen: Der Legende nach waren sie das Hochzeitsgebäck von Bona Sforza, 1518, aber auf dem Papier finden wir sie erst Anfang des 20. Jahrhunderts als Weihnachtsgebäck. Die purceddhruzzi, frittierte Teigkügelchen in Honig, mit bunten Zuckerperlen. Der Marzipanfisch der Benediktinerinnen von Lecce, sozusagen das Osterlamm im Weihnachtskleid; im Dialekt heißt er tuce te li signori, das Konfekt der Herrschaften. Und die pitteddhe, sternförmige Törtchen mit Traubenmarmelade. Die mustazzueli mit ihrer Kakaoglasur gibt es auch an Weihnachten, aber man findet sie das ganze Jahr über, auf den Jahrmärkten.

Am 28. Dezember, in der Küche von Corni di Fiasco.
Am 28. Dezember, in der Küche von Corni di Fiasco.

In Putignano, eine Stunde zwanzig entfernt, beginnt am 26. der Karneval. Nach der Messe und der Prozession des heiligen Stephanus tragen Gruppen in Bauernkleidung auf der Piazza satirische Verse im Dialekt vor: Das ist die Festa delle Propaggini, das Fest der Rebableger. Während der Prozession tauschen Kirche und Karneval eine Kerze aus, wie eine vorweggenommene Vergebung für das, was gleich passieren wird. Angeblich hat alles 1394 begonnen, mit den Bauern, die ihre Reben stehen ließen, um den Reliquien des Heiligen zu folgen, und unterwegs Verse improvisierten.

Und zwischen Weihnachten und Neujahr ziehen in Corigliano d’Otranto, mehr als eine Stunde entfernt, die Sänger der strina nachts von Masseria zu Masseria, mit Tamburinen und Organetto, dem kleinen Knopfakkordeon, und bringen ihre Glückwünsche, auch auf Griko. Früher bekamen sie dafür Eier, Käse, Hühner und Wein. Wer den Winter hier verbringt, findet den Rest auf der Seite über den Winter in Apulien. Dann geht es wieder von vorn los, mit dem Januar, und mit dem Feuer.

Häufige Fragen

Was sind die wichtigsten Feste in Apulien?

Die großen Winterfeuer, die Karwoche und im Sommer die Prozessionen auf dem Meer. Rund um Corni di Fiasco in Maruggio sind die größten die Fòcara von Novoli am 16. Januar und die Fòcra von Grottaglie am 30. Januar; der Josefstag in San Marzano di San Giuseppe am 18. und 19. März; die Karwoche in Tarent, in der Woche vor Ostern, Ende März oder im April; San Nicola in Bari vom 7. bis 9. Mai; Santa Cristina in Gallipoli vom 23. bis 25. Juli; die Madonna della Madia in Monopoli am 14. August und am 16. Dezember; Sant’Oronzo in Lecce etwa vom 24. bis 26. August; Santa Cecilia in Tarent am 22. November. Die Daten ändern sich jedes Jahr: Schauen Sie vorher ins Programm.

Was ist die Quaremma im Salento?

Die Quaremma, oder Caremma, ist eine Puppe in Gestalt einer schwarz gekleideten alten Frau, die man vom Aschermittwoch an in vielen Orten des Salento an die Balkone hängt. Sie hält die Spindel mit der Wolle und eine Bitterorange, in der sieben Hühnerfedern stecken, eine für jede Woche der Fastenzeit: Jede Woche zieht man eine heraus, und am Ende, gegen Ostern, wird die Quaremma verbrannt. Man sieht sie vor allem in der Grecìa Salentina, in Gallipoli und in Tuglie, eine Stunde oder etwas mehr von Corni di Fiasco entfernt.

Was ist die Fòcara von Novoli, und wann wird sie entzündet?

Die Fòcara ist das große Feuer, das Novoli in der Provinz Lecce am Abend des 16. Januar für Antonius den Großen entzündet. Sie ist ein Scheiterhaufen aus Rebholzbündeln, rund zwanzig Meter hoch, mit dem Bild des Heiligen auf der Spitze; am Abend setzt das Feuerwerk ihn in Brand. Es heißt, es sei das größte Feuer am Mittelmeer, aber gemessen hat es niemand. Von Corni di Fiasco in Maruggio ist Novoli knapp eine Autostunde entfernt.

Wann isst man in Apulien Pettole?

Zwischen dem 11. November und Weihnachten, je nach Ort. In Tarent frittiert man die ersten Pettole in der Nacht der heiligen Cäcilia, am 22. November; in der Gegend von Lecce am Martinstag, dem 11. November, oder am Abend des 7. Dezember, dem Vorabend von Mariä Empfängnis; in Rutigliano am 25. November; im Itria-Tal am 7. Dezember, mit Baccalà. Das frittierte Hefegebäck heißt Pittule in Lecce, Pèttëlë in Tarent, Popizze in Bari, und man isst es die ganze Weihnachtszeit über.

Wie feiert man Weihnachten in Apulien?

Weihnachten beginnt in Apulien früh: in Tarent am 22. November, mit den Blaskapellen von Santa Cecilia. Am 7. Dezember isst man im Salento die Puccia und frittiert am Abend die Pittule; in Lecce gibt es den Markt der Krippenfiguren, in Grottaglie die Ausstellung der Keramikkrippen, in San Marzano di San Giuseppe eine lebende Krippe in einer Felsschlucht. Im Morgengrauen des 16. Dezember kommt in Monopoli die Madonna della Madia übers Meer. Das Abendessen an Heiligabend ist fast immer ein Fischessen, und an Gebäck gibt es Cartellate, Purceddhruzzi und Marzipanfisch.

Welche Feste gibt es in Apulien im Juli und im August?

Die Prozessionen auf dem Meer, und es sind die meistbesuchten Feste des Jahres. Vom 23. bis 25. Juli Santa Cristina in Gallipoli, mit der Prozession im Boot rund um die Stadtmauern; am 15. August in Campomarino di Maruggio, eine Autominute von Corni di Fiasco, zwei Prozessionen, eine auf dem Meer und eine zu Fuß. Im August außerdem die Madonna della Madia in Monopoli, am Abend des 14.; die Märtyrer in Otranto, am 14.; San Rocco in Locorotondo, vom 14. bis 17.; Sant’Oronzo in Lecce, etwa vom 24. bis 26., und die Cavalcata in Ostuni, am 26.; der historische Umzug in Oria in der ersten Monatshälfte und das große Konzert der Notte della Taranta in Melpignano.

Wann ist die Karwoche in Tarent?

Die Karwoche in Tarent (Taranto), die Settimana Santa, ist die Woche vor Ostern und liegt deshalb jedes Jahr anders: Ostern ist frühestens am 22. März und spätestens am 25. April, und die Riten fallen meistens in den April, etwa jedes dritte Jahr in den März (2027 ist Gründonnerstag am 25. März). Am Gründonnerstag ziehen die Perdùne aus der Kirche, die Mitglieder der Bruderschaft del Carmine, mit Kapuze und barfuß, und um Mitternacht die Prozession der Addolorata; am Karfreitag brechen die Misteri auf, die erst am Samstagmorgen zurückkehren. Tarent ist von Corni di Fiasco eine halbe Autostunde entfernt.

Wann feiert man in Monopoli die Madonna della Madia?

Zweimal im Jahr. Im Morgengrauen des 16. Dezember, am liturgischen Festtag, und am Abend des 14. August, beim Sommerfest, stellt man an der Cala Batteria die Ankunft der Ikone vom Meer nach, die der Überlieferung nach 1117 auf einem Floß anlandete. Bei rauer See fällt die Szene auf dem Wasser manchmal aus. Monopoli ist von Corni di Fiasco eine Stunde und zwanzig Minuten mit dem Auto entfernt.

Ringsum die Feste, abends das Feuer zu Hause.

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